Theme for 2019
Acting together to empower children, their families and communities to end poverty

On this page you will find:

  • Testimonies: messages from people living in extreme poverty,...
  • Presentation: the meaning of the Day, its spirit,...
  • Highlights: activities, messages, significant gestures,...
  • Contact us: for any question related to October 17.
  • Toolbox: poster, concept note, documents of reference, videos,...

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Naila - Thursday 17 October 2019 - Gemeinsam Kinderrechte stark machen für eine Welt ohne Armut!

Event report

Schon zum sechsten Mal hatte das f.i.t.-Projekt „Sichtbar, aber auch nicht stumm“ am 17. Oktober zu einer Feierstunde eingeladen, um den UNO-Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung zu begehen. Die Veranstalter arbeiten v.a. mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) „Schule am Martinsberg“ und dem Verein „ATD Vierte Welt in Deutschland“ zusammen, sowie mit der „Evangelischen Erwach­senenbildung Hof-Naila“. Dieses Jahr fand sich mit dem Nailaer Jugendtreff JuNaited ein weiterer Partner.

Was war im Bonhoefferhaus in Naila zu erleben? Ein gut gefüllter Saal; sehr unterschiedliche Menschen in einer Atmosphäre gegenseitiger Offenheit, die im Verlauf des Abends immer herzlicher wurde; Wortbeiträge und Lieder, die unter die Haut gingen und jeweils mit Applaus gewürdigt wurden.

Der Aufruf, der 1987 am Anfang dieses Welttags stand, wurde auf Arabisch, Deutsch, Englisch und Französisch vorgetragen. Die Wortbeiträge des SFZ (siehe Kasten unten) führten mitten ins Thema hinein: „Gemeinsam Kinderrechte stark machen für eine Welt ohne Armut!“

Katrin Hermann vom Jugendtreff JuNaited betonte dazu, dass Kinder ihre Rechte kennen sollten. Sie habe mit vielen Kindern aus benachteiligten Familien zu tun. Diese wollten im Jugendtreff meist nicht auf die Familiensituation angesprochen werden, sondern die damit verbundenen Probleme eher auf Abstand halten, etwas Schönes erleben, um Kraft zu sammeln. Marlies Osenberg berichtete von ihrem Engagement, in dem sie mit Flüchtlingsfamilien und mit benachteiligten Einheimischen solidarisch ist. Beide Gruppen waren im Saal vertreten.

„Was wir sagen, das zählt“ – so hieß es in einem der vorgetragenen Lieder. Gemeint waren die aufgrund von Armut Ausgegrenzten in unserer Gesellschaft, um die es in der ganzen Feierstunde ging. So kamen auch Erwachsene mit Armutserfahrung zu Wort und wurden gehört. Mehrere Politiker sowie Kirchen- und Vereinsvertreter haben dieses Anliegen mit ihrer Anwesenheit unterstützt. Dazu gehörten zwei Bürgermeister, Frank Stumpf aus Naila und Walter Köppel aus Schauenstein, die sich trotz einer Terminüberschneidung die Zeit nahmen. Werner Hick als Ehrenvorsitzender des VdK-Ortsvereins unterstrich die Bedeutung sowohl des Hörens auf die Betroffenen als auch der möglichst wirksamen politischen Aktion. Norbert Peter von ATD Vierte Welt wusste zu berichten, dass dieser Tag weltweit ein wichtiger Bezugspunkt sei. Sabine Krauß von der KASA ermutigte dazu, das Beratungsangebot zu nutzen. Dr. Ulrich Hornfeck erinnerte als Mitglied der evangelischen Landessynode an den dortigen Ursprung der f.i.t.-Projekte – und an den Wert des Menschen, der in unserer Gesellschaft zu stark von der Leistung her gesehen werde. MdL Klaus Adelt meinte, diese Veranstaltung müsste eigentlich in einem Festzelt stattfinden, damit viel mehr Menschen die aktuellen und wichtigen Anliegen mitbekommen könnten. Insgesamt ließen die Grußworte Wertschätzung für den besonderen Charakter der Veranstaltung erkennen, auch für den dafür nötigen Einsatz der Projektleiterinnen – die sich ihrerseits bei allen Mitwirkenden bedankten.

Das Buffet war wieder eine Attraktion. Die Speisen wurden vom SFZ zubereitet; von dort kam diesmal auch die Tontechnik, von einem Schüler zur Verfügung gestellt und tadellos überwacht. Bei der musikalischen Ausgestaltung spielte der „Singende Kaffeetisch“ der Mehrgenerationen-Projektschmiede unter Leitung von Barbara Bernstein seine bewährte Rolle. Solistisch wirkten Inge Einsiedel-Müller, Hans-Jürgen Dommler und Annette Rodenberg mit. Pfr. Bernd Wagner konnte in seinen Schlussworten für 2020 bereits ankündigen, dass da der UNO-Welttag 17. Oktober auf einen Samstag falle und die Veranstaltung im Saal unter der katholischen Kirche stattfinden werde.

Aus den Wortbeiträgen der Kinder/Jugendlichen:
„Ich bin froh, dass ich Eltern habe, die zu mir stehen.“ „Mich belastet, dass ich ins Kinderdorf gekommen bin.“ „Mein Opa ist gestorben, er hat sich immer um mich gekümmert.“ „Meine Eltern streiten, wenn ich Geld für die Schule brauche. Sie schimpfen über die Schule, sie schimpfen mich, wenn ich Geld brauche.“ „Kinder schämen sich, weil sie kein Geld für Kochen, Werken, Schulgeld haben.“ „Auf der Straße schauen Leute weg.“
Welches Kinderrecht möchte ich umgesetzt wissen? Die meisten Nennungen bekam Artikel 9 der UN-Kinderrechts­konvention: „Ich habe das Recht, bei meinen Eltern zu leben. Wenn das nicht geht, habe ich das Recht, regelmäßig mit ihnen in Verbindung zu sein, außer es ist nicht gut für mich.

Event description

Das f.i.t.-Projekt „Sichtbar, aber auch nicht stumm“ (als Veranstalter in Zusammenarbeit u.a. mit dem SFZ „Schule am Martinsberg“ und der „Evang. Erwachsenenbildung Hof-Naila e.V.“) lädt herzlich ein zur Feierstunde am Donnerstag 17.10.19 ab 17:30 Uhr in Naila (Einlass ab 17:00), Bonhoefferhaus Albin-Klöber-Str. 9

Unser Thema für 2019: „Gemeinsam Kinderrechte stark machen für eine Welt ohne Armut!“

Es wirken mit: SFZ Schule am Martinsberg, Jugendtreff JuNaited, Verein „ATD Vierte Welt in Deutschland“, „Singender Kaffeetisch“ der Mehrgenerationen-Projektschmiede, Inge Einsiedel-Müller (Keyboard, Gesang), Hans-Jürgen Dommler (Gitarre, Gesang), u.a.

Naila
Germany

Heidelberg - Sunday 13 October 2019 - REICH AN UNSICHTBARER ARMUT

Event report

Fotos: https://www.das-heidelberger-buendnis.de/aktionswoche-2019/aktionswoche-...
Videos: https://www.das-heidelberger-buendnis.de/aktionswoche-2019/aktionswoche-...
Presse: https://www.das-heidelberger-buendnis.de/aktionswoche-2019/presse-zur-ak...

12 000 Heidelberger leben mit sehr wenig Geld –Zwei von ihnen erzählten der RNZ aus ihrem Alltag –„Wir brauchen mehr Gerechtigkeit.

Heidelberg ist eine wohlhabende Stadt aber rund 12 000 Einwohner sind arm oder armutsgefährdet. Sie haben so wenig Geld, dass sie bei jeder Brezel für 70 Cent überlegen müssen, ob sie sich das wirklich leisten können. Michelle Grathwohl und Magnus Lück sind zwei dieser 12 000 Heidelberger. Sie gehen arbeiten und müssen doch am Ende jedes Monats ganz genau rechnen.

„Der Monat ist immer länger als der Geldbeutel tief ist“, sagt Lück. Dem 61-Jährigen sieht man sein Alter nicht an. Das ist erstaunlich denn sein Körper ist nach Jahrzehnten schwerer Arbeit völlig kaputt. Lück gilt als schwerbehindert. „Grad der Behinderung: 70 Prozent“, sagt er.

Als junger Mann ist Lück Lagerarbeiter, hantiert mit 115-Kilo-Fässern, danach geht er auf den Bau. Schon damals hat er drei Leistenbrüche. Als Industriekaufmann ergattert er einen Bürojob doch dann wechselt er zum Bühnenaufbau. „Die Knochenjobs ziehen sich durch mein Leben.“ 2005 die Katastrophe: Seine Beziehung zerbricht, Lück wird obdachlos. „Ich schlief im Wald, ernährte mich von Brombeeren.“ Doch er rappelt sich wieder auf, arbeitet in der Schreinerei des Wichernheims. „Dann kam’s richtig böse: fünf Bandscheiben-OPs in einem Jahr.

Nach der Reha beantragt er eine Erwerbsunfähigkeitsrente, aber das Sozialgericht meint, er könnte sechs Stunden am Tag arbeiten. Der Lebensmut verlässt ihn, Lück schluckt einen Medikamentencocktail. Aber er überlebt und kämpft weiter. Doch er findet keinen Job. „Ich war über 50, körperlich kaputt unvermittelbar.“ Vor drei Jahren dann das Wunder: Er findet auf eigene Faust eine Wohnung, kann aus der Notunterkunft raus. Sechs Jahre lang (!) stand er auf einer Dringlichkeitsliste der Wohnungsgesellschaft GGH ein Angebot bekam er nie.

Wenig später bringt ihn das Projekt Einstieg des Vereins zur beruflichen Integration und Qualifizierung (VBI) ins Offene Atelier in der St. Albert Kirche in Bergheim. Er betreut die Künstler, führt Besucher herum fünf Tage die Woche, sechs Stunden täglich. Zieht er seine Miete ab, hat er nicht mehr als ein Hartz-IV-Empfänger. Aber: „Ich habe einen geilen Job, ich werde gebraucht, ich behalte meine Würde.“ Noch zwei Jahre läuft sein Vertrag im Atelier, der auch mithilfe des neuen Teilhabechancengesetzes finanziert wird. Dann ist Lück 63 und will endlich in den Ruhestand. „Obwohl ich so lange gezahlt habe in die Rentenkasse, lande ich in der Grundsicherung.“ Er hat Angst, dass man ihm dann seine kleine Zwei-Zimmer-Mietwohnung in Bergheim nimmt. „Das könnte ich schwer verkraften.

Während Lück sein Leben erzählt, nickt Michelle Grathwohl, die ebenfalls schwerbehindert ist ein angeborener Gehirnschaden. Auch sie kennt den täglichen Lebenskampf. Die 35-Jährige ist alleinerziehend, lebt mit ihrem achtjährigen Sohn und ihrer sechsjährigen Tochter in Kirchheim. Sie war viele Jahre Hauswirtschaftshelferin in einem Seniorenheim. Dort wurde sie gemobbt, man zwang ihr Arbeitszeiten auf, die nicht mit den Kindern vereinbar waren bis sie kündigte.

Heute hat die Heidelbergerin eine Stelle beim VBI, 20 Stunden pro Woche. Sie ist Aufstockerin, das Jobcenter zahlt ihre Miete. Zum Leben bleiben ihr und ihren Kindern gut 600 Euro im Monat. „Ich kaufe Klamotten auf dem Flohmarkt, gehe für Lebensmittel auch mal zur Tafel.“ Sie versucht alles, den Kindern eine unbeschwerte Kindheit zu bieten. „Dass wir ab und zu etwas unternehmen können, spare ich mir vom Munde ab.“ Neulich waren sie sogar im Holiday-Park für eines der Kinder bezahlte eine Freundin den Eintritt.

Lück kennt das: Der Musikfan dreht jeden Cent drei Mal um, damit er einmal im Monat ein Livekonzert in der Musikkneipe „Karl“ besuchen kann. „Ich trage seit einem Jahr die gleiche Jeans.“ Er solle doch in die Kleiderkammer gehen, hört er oft. „Aber ich habe doch einen Stolz: Ich habe eine Arbeit und will mir meine Klamotten selbst kaufen können.“ Auch Grath-wohl ärgert sich überdie Ratschläge und Vorurteile anderer. „Arme Menschen sind nicht faul. Ich habe das Jobcenter förmlich angefleht: ,Gebt mir Arbeit!‘“, sagt sie.

Ihre Kinder seien manchmal weniger Kind, als sie es sich wünschen würde. „Vor Jahren wollte ich meinem Sohn nach einer Mandel-OP etwas gönnen und ein Eis essen gehen. Er sagte nur: ,Mama, das ist nicht nötig, wir haben doch Eis zuhause.’“ Grathwohls größter Wunsch: einmal eine ganze Woche gemeinsam in Urlaub fahren.

„Ich sehe keine Solidarität mehr in der Gesellschaft“, sagt Magnus Lück, „die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.“ Er wünscht sich eine soziale Politik. Grathwohl stimmt zu: „Wir brauchen mehr Gerechtigkeit.

Georg Cremer lehrt als außerplanmäßiger Professor für Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 2000 bis 2017 war Cremer Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes.

Die Armutsgefährdungsgrenze für einen Alleinstehenden liegt bei circa 1000 Euro, bei einem Paar mit zwei Kindern bei circa. 2500 Euro. Leben Studierende, die weniger als 1000 Euro haben, in Armut? Was heißt genau Armutsgefährdung? Wo hört die Gefährdung auf und wo fängt die Armut an?
Wir sollten eher die Risikogruppen stärker in den Blick nehmen. Menschen mit geringer beruflicher Qualifikation, Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und jene Menschen im Alter, die trotz langer Erwerbstätigkeit nicht mehr haben, als wenn sie nie gearbeitet hätten.

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Event description

Das „Heidelberger Bündnis gegen Armut und Ausgrenzung“ ist ein offener Zusammenschluss von 51 sozialen Organisationen in Heidelberg und der Region, die sich gegen Armut und Ausgrenzung und für soziale Integration engagieren. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht diese gemeinsame Thematik jenseits der eigenen Interessen der 51 sozialen Organisationen. Unsere Veranstaltungen und Aktivitäten werden in einem transparenten, gleichberechtigten und konsensorientierten Prozess geplant, gestaltet und durchgeführt. Hierbei ist es wichig, dass auch die betroffenen Menschen einbezogen werden. Das Bündnis will die sozialen Akteurinnen und Akteure in Heidelberg und der Region weiter vernetzen, weitere Aktivitäten anregen und durch eine Verbesserung der sozialen Infrastruktur Armut und Ausgrenzung aktiv entgegenwirken.

Infos: www.das-heidelberger-buendnis.de Kontakt: www.das-heidelberger-buendnis.de/kontakt Newsletter: www.das-heidelberger-buendnis.de/newsletter-bestellen Landesweite Aktionswoche der Liga Baden-Württemberg (lesenswerter Reader der Aktionswoche 2019): www.armut-bedroht-alle.de

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